Valtellina Sforzato

11.-16. September 2021

Trails, Trails, Trails – so abwechslungsreich, wie der Veltliner Wein

Schmugglerpfade, Militärwege… Viele Trails im Veltlin entstanden unter abenteuerlichen und nicht nur schönen Umständen. Doch heute erfreuen sie die Herzen der Mountainbiker – als ein weit verzweigtes Trailnetz erster Güte mit Abfahrten von fast bis zu 2000 Höhenmetern am Stück. Zum Glück gibt es Shuttles, die uns die entsprechend harten Aufstiege zumindest zum Teil erleichtern.

Die Trails im Veltlin folgen meist dem gleichen Muster: Oberhalb der Waldgrenze ist das Gelände flach und abwechselnd steinig oder schön weich. In den darunter folgenden steilen Wäldern sind die Trails zuerst ideal für Biker angelegt: Flowig und mit wenige Gefälle. Im untersten Teil, dort, wo die an die Hänge geschmiegten Dörfer mit ihren charakteristischen Steinhäusern beginnen, fängt es dann an zu rumpeln: Die zum Teil sehr alten Mulattieras führen uns zielsicher hinunter ins Tal.

Das Veltlin, dessen bewegte Geschichte eng mit Graubünden verknüpft ist, hat auch kulinarisch viel zu bieten. Kein Wunder, schliesslich sind wir hier in Italien! Zu den bekanntesten Spezialitäten gehören die Pizzoccheri, der Bresaola, der Alpkäse und nicht zuletzt der Veltliner Wein, dessen Rebberge uns auf den meisten unserer Touren ganz am Schluss ins Tal begleiten.

Preis

CHF 1290

Region

Veltlin

Schwierigkeit

Mittel (S2)

Kondition

Mittel
(max. 1200 Hm/Tag)

E-Bike

Nach Absprache

Preis: CHF 1300
Inklusive:
5 Übernachtungen im Doppelzimmer, Shuttles, Organisation und 5.5 Tage Guiding.
Nicht inklusive:
Nachtessen, Mittagessen, Getränke, An- und Rückreise, Einzelzimmerzuschlag, Versicherungen.

Tag 1: Local Trails
Treffpunkt 14 Uhr im Hotel. Lockere Aufwärmrunde rund um Tirano.

Auf-/Abstieg: ca. 300 Höhenmeter
Distanz: ca. 15 km

Tag 2: Auf den Spuren der Schmuggler
Heute geht es zum ersten Mal hoch hinauf. Dank Shuttle überwinden wir die ersten 1500 Höhenmeter locker, danach wärmen wir uns mit etwas Biketragen auf. Es lohnt sich! Hier oben öffnet sich uns eine wilde, alpine Landschaft – kaum zu glauben, dass wenige Kilometer unter uns fruchtbare Rebberge gedeihen. Es folgt eine lange, abwechslungsreiche Abfahrt, bis wir uns beim Mittagessen mit Pizzoccheri für den zweiten Teil stärken. Erneut geht’s berghoch, diesmal mit reiner Muskelkraft. Auf spassigen Schmugglerpfaden geht’s danach direkt zum Apéro in die Altstadt von Tirano.

Auf-/Abstieg: 1100/2700 Höhenmeter
Distanz: 27 km

Tag 3: Grenzwertiges Abenteuer
Heute steigen wir am Morgen gemütlich in den Trenino Rosso, den
Zug der rhätischen Bahn, der uns über die Grenze nach Poschiavo führt. Dort
shuttlen wir weiter auf Puschlaver Art – mit unserem privaten Postauto. Ein
knackiger Aufstieg bringt uns danach auf einen Pass und damit wieder an die
Grenze zu Italien. Hier beginnt der lange Abfahrtsspass durch Alpen und Wälder.
Am Schluss führt uns ein alter Militärpfad ins Tal, von den Einheimischen extra
für Mountainbiker wieder in Schuss gebracht.

Auf-/Abstieg: 1100/2700 Höhenmeter
Distanz: 37 km

Tag 4: Der Wein ist das Ziel
Heute lassen wir es gemütlich angehen. Den grössten Teil des Aufstiegs hinauf zum Col d’Anzana legen wir noch einmal mit einem Postauto-Shuttle zurück. Danach geht’s zuerst flowig, dann rumpelnd direkt hinunter in die Rebberge. Beim gemütlichen Mittagessen auf einem Weingut können wir uns auch den einen oder anderen Schluck Wein gönnen – der Nachmittag ist frei.

Auf: 500/2900 Höhenmeter
Distanz: 20 km

Tag 5: Tornantissima – tutto si gira
Den Aufstieg auf den Mortirolo-Pass, einen der bekanntesten Pässe im Repertoire des Giro d’Italia, erspart uns auch heute der Shuttle. Vom Pass an sind es noch 600 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt der Tour – zuerst einfach, am Schluss immer knackiger. Auch die Abfahrt beginnt knackig und grob. Doch haben wir einmal die Waldgrenze erreicht, wird es flacher und flowiger. Der Trail schlängelt durch den Wald, unendlich lang, Kurve um Kurve, bis es uns fast schwindlig wird. Auf dem letzten Abschnitt rumpelt uns dann eine alte Mulattiera wieder zu Sinnen. Im Tal angekommen gondeln wir gemütlich zurück nach Tirano.

Auf-/Abstieg: 600/1800 Höhenmeter
Distanz: 35 Km

Tag 6: Arrivederci
Zum Abschluss geht’s per Shuttle auf einen der Berge, der gleich hinter unserem Hotel liegt. Dort spuckt uns der Trail schliesslich wieder aus, bevor es heisst, Abschied zu nehmen.

Auf-/Abstieg: 300/1600 Höhenmeter
Distanz: 20 km

Das Veltlin (ital. Valtellina) bildet heute mit dem Valchiavenna die italienische Provinz Sondrio, die nördlichste der Region Lombardei. Das Veltlin ist in vier Berggemeinschaften unterteilt, die 65 Gemeinden umfassen. Im Norden bilden die Rätischen Alpen die Grenze zum Kanton Graubünden, im Süden wird die Provinz durch die orobischen oder Bergamasker Voralpen begrenzt. Die Felszeichnungen von Grosio bezeugen, dass das Veltlin seit der Jungsteinzeit besiedelt war.

Das Veltlin unter Bündner Herrschaft
Das Veltlin hat eine wechselhafte Geschichte. Nach zahlreichen Herrschaftswechseln fielen 1512 die Bündner ins Veltlin sowie in die Grafschaften Chiavenna und Bormio ein. Sie dürften dabei zwar nicht mit Begeisterung empfangen worden sein, doch trafen sie auch nicht auf nennenswerten Widerstand.

In der zweiten Hälfte des 16. Jh. strömten zunehmend italienische Glaubensflüchtlinge ins Valchiavenna und ins Veltlin. Sie konnten hier frei von Verfolgungen predigen, da das mehrheitlich reformierte Graubünden die freie Religionsausübung gewährleistete. Doch die Wirren und Machtkämpfe des Dreissigjährigen Krieges machten vor dem Veltlin nicht halt. Auf spanischen Druck bildete sich unter Führung einiger Adliger eine Verschwörung. Im sogenannten „Veltliner Mord“ metzelten die Verschwörer im Juli 1620 600 Reformierte nieder. 1639 erhielten die drei Bünde das Veltlin und die beiden Grafschaften zurück, mussten sich aber verpflichten, nur die katholische Konfession zuzulassen und die Niederlassung von Protestanten zu verbieten. Kriegszüge und Pest hatten die Bevölkerung in der Ära des Dreissigjährigen Kriegs schwer gezeichnet. Es war auch die Zeit der Hexenprozesse, in der Dutzende von Unglücklichen auf dem Scheiterhaufen endeten.

Die Existenzgrundlage der einheimischen Bevölkerung bildete eine wenig ertragreiche Landwirtschaft, die auf Roggen, Rispen- und Kolbenhirse, Gerste, Kastanien und Erzeugnissen aus den Rebbergen beruhte; Letztere stellten für die Bündner die wichtigste Einnahmequelle im Veltlin dar. Von 75’000 hl im Veltlin produzierten Wein wurden gegen Ende des 18. Jh. 45’000 bis 53’000 nach Graubünden, ins Tirol und nach Süddeutschland ausgeführt. Dank Begünstigungen erwarben die Bündner viele Rebberge im Veltlin.

Wie das Veltlin fast ein Teil der Schweiz geworden wäre
Die Vorherrschaft einiger Bündner Familien, insbesondere der Salis, passte der Veltliner Bevölkerung immer weniger. So begrüssten sie 1797 den Einmarsch der napoleonischen Truppen. Napoleon wollte darauf das Veltlin als vierten Bund mit den Drei Bünden  vereinigen. Doch diese lehnten den Anschluss mit knapper Mehrheit ab. Daher gliederte Napoleon das Veltlin und die beiden Grafschaften Bormio und Chiavenna in die Cisalpinische Republik ein. Die Vermögenswerte der Bündner im Veltlin wurden beschlagnahmt und öffentlich versteigert.

Auf dem Wiener Kongress ersuchte die Veltliner Delegation um eine Aufnahme als Kanton in die Schweiz oder um einen Anschluss an das unter österreichischer Herrschaft stehende Lombardo-Venezianische Königreich nach. Letzteres wurde ihnen gewährt. Österreich begann mit einer gründlich Verwaltungsreform und wichtigen öffentlichen Arbeiten, darunter die Passstrasse auf das Stilfserjoch. Während des zweiten italienischen Unabhängigkeitskriegs 1859 stiess Giuseppe Garibaldi durch das Tal bis nach Bormio vor.

Die bleibenden Verbindungen zur Schweiz
Im 19. Jh. suchten zahlreiche Katastrophen das Veltlin heim. Der Mehltau der Weinreben und Krankheiten der Seidenraupen brachten Verdienstausfall; Überschwemmungen und Cholera forderten Hunderte von Todesopfern. Rebbau und Weinhandel waren weiterhin eine wichtige Einnahmequelle für die Bewohner des Veltlins und des Puschlavs; noch zu Beginn des 21. Jh. waren 50 Personen aus dem schweizerischen Brusio Eigentümer von Rebbergen mit einer Gesamtfläche von 60 ha und von Obstpflanzungen in der Grösse von ca. 75 ha. Im Viehhandel kamen 1835 100 von 600 Rindern und 25 von 100 Pferden, die auf dem Markt von Delebio verkauft wurden, aus der Schweiz. Herden aus dem Veltlin und dem Bergamaskischen wurden auf Schweizer Alpweiden gesömmert, aber die zunehmende Aufgabe der Viehzucht und die Auflassung der Bergdörfer nach dem 2. Weltkrieg bereiteten dieser Form der Transhumanz ein Ende. Im 19. Jh. wurde viel Holz aus der Eidgenossenschaft eingeführt und dank der Zollvergünstigungen für Güter aus dem Tessin und aus Graubünden gelangt es auch heute noch in die Lombardei und ins Piemont.

Ab Mitte des 19. Jh. setzte die Auswanderung nach Übersee ein, doch ab der Jahrhundertwende fanden viele Veltliner auch in der Schweiz ein Auskommen. 1968 nahm der Bündner Arbeitsmarkt, v.a. der Bausektor und das Gastgewerbe, 57% der in der Schweiz erwerbstätigen Personen aus dem Veltlin und dem Valchiavenna auf.

Bahnbau, Schmuggel und Tourismus
Die Bahnlinie Mailand-Tirano erhielt 1910 mit der Berninabahn eine Verbindung zum Kanton Graubünden. 1917 begann im Veltlin die Stromproduktion aus Wasserkraftwerken. Der seit Langem zur Steigerung der Familieneinkommen betriebene Schmuggel erlebte in den 1960er Jahren einen starken Aufschwung, da die illegale Einfuhr von Zigaretten, Zucker und Kaffee aus der Schweiz recht einträglich geworden war. Die industrielle Entwicklung, die Verbreitung des Massentourismus und der Erfolg der Skigebiete, die ausgehend von Bormio, wo 1985 die Skiweltmeisterschaften stattfanden, an verschiedenen Orten entstanden, prägen die jüngste Geschichte des Veltlins.

Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz