Trailtage Puschlav

Das Puschlav ist die ruhige Oase südlich der viel befahrenen Biketrails Graubündens. Mit Ausnahme des bekannten Bernina Express, der das Engadin mit Poschiavo verbindet, ist es meist einsam auf den Trails im abgelegenen Bündner Südtal. Und es gibt zahlreiche Trailperlen, die fast nur die Einheimischen kennen.

Während unseren viereinhalb Tagen im Puschlav fahren wir Klassiker der Region, entdecken aber auch unbekannte, nicht weniger lohnenswerte Trails. Und natürlich, wie könnte es so nahe an der italienischen Grenze anders sein, kommt auch der kulinarische Teil nicht zu kurz. Ob Gerichte aus 100 Prozent Zutaten aus dem Tal, einheimischem Bier oder Wein aus dem wenige Kilometer entfernten Veltlin – es wird uns hier an nichts fehlen.

Datum: 4.-8.10.2020
Ort: Le Prese
Schwierigkeit: mittel (S1-S2)
Kondition: mittel (max. 1200 Höhenmeter pro Tag)

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Preis: CHF 1180
Inklusive: 4 Übernachtungen im Doppelzimmer im Bikehotel inkl. Frühstück und dreimal Halbpension, Organisation und Guiding an viereinhalb Tagen, Bikeshuttle.
Nicht inklusive:
Mittagessen, einmal Nachtessen auswärts, Getränke, An- und Rückreise, Einzelzimmerzuschlag

Tag 1: Bernina Express – der Klassiker
Nach der Begrüssung im Hotel starten wir nach dem Mittag gleich zu „dem“ Klassiker der Region: dem Bernina-Express. Mit der Rhätischen Bahn shuttlen wir auf den Berninapass – aufgrund ihrer einzigartigen Bautechnik und Linienführung gehört diese Bahnstrecke zum UNESCO Welterbe. Genau so abwechslungsreich wie die Bahnfahrt ist auch der Biketrail, der immer wieder die Bahnlinie quert und uns vom vergletscherten Hochgebirge hinunter in die beinahe mediterran anmutende Altstadt von Poschiavo führt. Nach einem Gelati-Halt hängen wir noch einmal ein paar Höhenmeter und einen schönen Trail an, der uns fast direkt vor das Hotel führt.

Auf-/Abstieg: 700/2000 Hm
Distanz: 25 km
Level: mittel

Tag 2: Auf den Spuren von Mönchen und Schmugglern
Ein weiteres Highlight wartet auf uns: Die heutige Tour führt uns hoch über das Tal, zur kleinen Kirche San Romerio aus dem 11. Jahrhundert, die auf einem Felssporn 800 Meter über dem Lago di Poschiavo thront. Hier geniessen wir die berühmte Polenta von Älpler Gino, bevor es auf versteckten Schmugglerpfaden über die Grenze hinunter nach Tirano geht. Mit der Rhätischen Bahn shuttlen wir wieder zurück zum Hotel.

Auf-/Abstieg: 1100/2300 Hm
Distanz: 25 km
Level: mittel

Tag 3: Diese Landschaft! Diese Seen! Diese Trails!
Wie am ersten Tag starten wir die heutige Tour auf dem Berninapass. Doch diesmal führt uns der Trail auf der anderen Talseite entlang – auf einer fast noch etwas schöneren Strecke. Der erste Aufstieg des Tages führt uns in ein wunderschönes Puschlaver Seitental und auf einem Uphill-Trail über einen abgelegenen Pass hinüber nach Italien. Nach der gemütlichen Mittagspause in einem Rifugio haben wir beim Gegenaufstieg zurück auf den Pass genügend Zeit, das währschafte Mittagessen zu verdauen. Der Trail vom Pass hinunter nach Poschiavo, entlang an wunderschönen Seen und am Schluss auf einem historischen Säumerweg, lässt nichts zu Wünschen übrig.

Auf-/Abstieg: 1200/2500 Hm
Distanz: 48 km
Level: mittel

Tag 4: Col d’Anzana – von der Alp in die Rebberge
Und schon wieder heisst es: Viva Italia! Das Tagesziel auf der heutigen, kurzen Tour heisst Tirano. Dank Postauto-Shuttle-Unterstützung bleibt uns der Grossteil des Aufstiegs erspart. Gut so – denn die Kraft brauchen wir noch für die Abfahrt. Auf einem endlosen, zuerst flowigen, dann ruppigen aber stets spassigen Downhill gehts hinunter, mitten in die Veltliner Weinberge. Da darf als Tour-Abschluss eine Degustation in einem Weingut nicht fehlen. Salute!

Auf-/Abstieg: 400/1800 hm
Distanz: 20 km
Level: mittel

Tag 5: Viva Valposchiavo!
Steil, steiler, vii da li sclenzuli. Auf der etwas zahmeren rechten Talseite befinden sich oberhalb des Waldes zahlreiche Alpen. Dort wächst im Sommer das Heu, das die Kühe im Tal über den Winter bringt. Während heute der Transport des Heus kein Problem mehr darstellt, war das früher eine Herausforderung. Dazu bauten die Puschlaver eigens Wege, auf denen sie das Heu mit Schlitten, den sogenannten „sclenzula“ auf möglichst direktem Weg von den Alpen ins Tal führten. Diese Wege waren in Vergessenheit geraten – bis einige junge Einheimische die Idee hatten, sie wieder frei zu legen und als Biketrails zu nutzen. Davon profitieren wir heute – und geniessen zum Abschluss unserer Trailtage den überraschenden Flow, den diese alten Schlittenbahnen bieten.

Auf-/Abstieg: 1000/1700 hm
Distanz: 18 km
Level: mittel

Das Puschlav verbindet das italienische Weinanbaugebiet Veltlin mit dem Norden und lag so jahrhundertelang an einer wichtigen Handelsroute. Davon zeugt das malerische Borgo, das alte Zentrum von Poschiavo, mit seinen historischen Häusern und den zahlreichen einladenden Gasthäusern. Und die Biker profitieren noch heute von den zwei historischen Säumerpfaden über den Berninapass – zwei lange, abwechslungsreiche Abfahrten, die bequem mit der Rhätischen Bahn erreichbar sind. Der Bau der Berninalinie zwischen 1908 und 1910 trug übrigens massgeblich zum Aufschwung des Tourismus im Puschlav bei – und gehört heute zusammen mit der Albulalinie als Unesco-Welterbe zu den beliebtesten Bahnstrecken überhaupt.

Das Puschlav gehört wie das Misox, das Calancatal, das Bergell und die im Oberhalbstein gelegene Ortschaft Bivio zum italienischsprachigen Gebiet Graubündens. Umgangssprache im Puschlav ist das Pus’ciavin, ein alpinlombardischer Dialekt. Im Dialekt heisst das Tal Pus’ciav, in der italienischen Schriftsprache Val Poschiavo. Die meisten Puschlaver sprechen daneben aber auch gut bis sehr gut Deutsch.

Heute lebt im traditionell landwirtschaftlich geprägten Tal über die Hälfte der Bevölkerung vom Tourismus. Die Landwirtschaft ist in ihrer Entwicklung aber nicht stehen geblieben: 95 Prozent der Landwirtschaftsfläche werden von Bio-Suisse-zertifizierten Betrieben bebaut und gepflegt – einen so hohen Anteil an Bio-Bauern gibt es sonst nirgends in der Schweiz.

Geschichte

An der Grenze des Einflussbereichs der Drei Bünde, dem Herzogtum Mailand sowie der Bischöfe von Como und Chur gelegen, hat das Puschlav eine wechselhafte Geschichte hinter sich. 1408 stellten sich die Puschlaver unter die Gerichtshoheit des Bischofs von Chur und traten dem Gotteshausbund, einem der Drei Bünde, bei. Von da an teilte das Puschlav das Schicksal der Drei Bünde. Nach der Eroberung des Veltlins durch die Bündner 1512 eröffneten sich dem Tal neue Möglichkeiten in Wirtschaft und Handel.

1797 vereinte Napoleon Bonaparte das Veltlin mit der Cisalpinischen Republik, das Puschlav entzog sich dieser Annexion. Die neue Grenze schnitt eine Gemeinschaft entzwei, die seit Jahrhunderten durch gemeinsame wirtschaftliche Interessen verbunden gewesen war. Die Handelsblockade schwächte die lokale Wirtschaft erheblich.

Über Jahrhunderte stark geprägt hat das Tal die konfessionelle Spaltung in einen katholischen und einen protestantischen Bevölkerungsteil. Die Predigten italienischer Glaubensflüchtlinge nach 1526 führten zur Bildung zweier reformierter Gemeinden in Brusio und Poschiavo. 1589 waren in Brusio ein Drittel und in Poschiavo ein Viertel der Bevölkerung zum neuen Glauben übergetreten. Das prekäre Gleichgewicht zwischen den beiden Konfessionen zerbrach um 1620, als im Rahmen des sogenannten „Veltliner Mordes“ auch im Puschlav die Reformierten verfolgt wurden. Eine Horde bewaffneter Männer aus dem Veltlin tötete unter Kooperation eines Teils der lokalen katholischen Führung 27 Protestanten und vertrieb viele weitere. Es folgte eine lange Eiszeit zwischen den Konfessionen. Die Talschaft blieb bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in zwei feindliche Lager gespalten.

Quellen:

Arno Lanfranchi: Puschlav. In: Historisches Lexikon der Schweiz.

Sibilla Bondolfi: Im «Nordirland der Schweiz». Auf den Spuren der protestantischen Minderheit im Puschlav. Neue Zürcher Zeitung vom 30. März 2013, S. 17.