Auf- und Abfahrten ala Pus'ciavina

13.-16. Mai 2021 (Auffahrt)

Während oben auf dem Berninapass noch Weiss die alles beherrschende Farbe ist, grünt es in den unteren Lagen des Valposchiavo und des Veltlins bereits heftig. Obwohl wir mitten in den Bergen sind, finden sich hier zahlreiche schöne Touren, die bereits um diese Jahreszeit hervorragend fahrbar sind.

Alte Säumer- und Militärstrassen sowie unzählige Schmugglerwege sorgen dafür, dass uns während diesen vier Tagen die Trails nie ausgehen. Mal geniessen wir den herrlichen Flow über weiche Waldböden und durch raschelndes Laub, mal fordern uns Wurzel- oder Steinpassagen gerade so richtig, um für die beginnende Bikesaison in die Gänge zu kommen.

Und natürlich, wie könnte es so nahe an der italienischen Grenze anders sein, kommt auch der kulinarische Teil nicht zu kurz. Ob Gerichte aus 100 Prozent Zutaten aus dem Tal, einheimischem Bier oder Wein aus dem wenige Kilometer entfernten Veltlin – es wird uns hier an nichts fehlen.

Preis

CHF 970

Region

Valposchiavo/Veltlin

Schwierigkeit

Mittel (S1-S2)

Kondition

Mittel
(max. 1200 Hm/Tag)

E-Bike

Geeignet

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Preis: CHF 970 (Einzelzimmerzuschlag auf Anfrage)
Inklusive: 3 Übernachtungen im Doppelzimmer im Bikehotel inkl. Frühstück und zweimal Nachtessen, Organisation und Guiding an dreieinhalb Tagen, öV im Puschlav, Shuttles
Nicht inklusive:
Mittagessen, ein Nachtessen auswärts, Getränke, An- und Rückreise, Einzelzimmerzuschlag

Den Bernina-Express, das Val da Camp oder San Romerio kennen alle, die im Valposchiavo bereits mit dem Bike unterwegs waren. Doch noch weiter unten im Tal gibt es zahlreiche unbekannte, nicht weniger schöne Trails, die zum Teil fast das ganze Jahr über fahrbar sind – nicht zuletzt dank den Schmugglern, die hier bis in die 1970er-Jahre ihre Pakete auf dem Rücken über die schmalen Bergpfade trugen und dazu auf möglichst viele und gut begehbare Wege angewiesen waren.

Je nachdem, wie weit sich die Schneegrenze bereits zurückgezogen hat, bleiben wir auf unseren Touren in den unteren Lagen oder wagen uns auch mal höher hinaus.

Treffpunkt am ersten Tag ist rechtzeitig zum Mittagessen im Hotel. Danach folgt eine erste kurze Tour. An den folgenden Tagen sind wir jeweils den ganzen Tag über unterwegs. Tourschluss am letzten Tag ist um ca. 16 Uhr.

Das Nachtessen geniessen wir zweimal im Hotel und einmal im historischen und malerischen Dorfkern von Poschiavo.

Das Puschlav verbindet das italienische Weinanbaugebiet Veltlin mit dem Norden und lag so jahrhundertelang an einer wichtigen Handelsroute. Davon zeugt das malerische Borgo, das alte Zentrum von Poschiavo, mit seinen historischen Häusern und den zahlreichen einladenden Gasthäusern. Und die Biker profitieren noch heute von den zwei historischen Säumerpfaden über den Berninapass – zwei lange, abwechslungsreiche Abfahrten, die bequem mit der Rhätischen Bahn erreichbar sind. Der Bau der Berninalinie zwischen 1908 und 1910 trug übrigens massgeblich zum Aufschwung des Tourismus im Puschlav bei – und gehört heute zusammen mit der Albulalinie als Unesco-Welterbe zu den beliebtesten Bahnstrecken überhaupt.

Das Puschlav gehört wie das Misox, das Calancatal, das Bergell und die im Oberhalbstein gelegene Ortschaft Bivio zum italienischsprachigen Gebiet Graubündens. Umgangssprache im Puschlav ist das Pus’ciavin, ein alpinlombardischer Dialekt. Im Dialekt heisst das Tal Pus’ciav, in der italienischen Schriftsprache Val Poschiavo. Die meisten Puschlaver sprechen daneben aber auch gut bis sehr gut Deutsch.

Heute lebt im traditionell landwirtschaftlich geprägten Tal über die Hälfte der Bevölkerung vom Tourismus. Die Landwirtschaft ist in ihrer Entwicklung aber nicht stehen geblieben: 95 Prozent der Landwirtschaftsfläche werden von Bio-Suisse-zertifizierten Betrieben bebaut und gepflegt – einen so hohen Anteil an Bio-Bauern gibt es sonst nirgends in der Schweiz.

Geschichte

An der Grenze des Einflussbereichs der Drei Bünde, dem Herzogtum Mailand sowie der Bischöfe von Como und Chur gelegen, hat das Puschlav eine wechselhafte Geschichte hinter sich. 1408 stellten sich die Puschlaver unter die Gerichtshoheit des Bischofs von Chur und traten dem Gotteshausbund, einem der Drei Bünde, bei. Von da an teilte das Puschlav das Schicksal der Drei Bünde. Nach der Eroberung des Veltlins durch die Bündner 1512 eröffneten sich dem Tal neue Möglichkeiten in Wirtschaft und Handel.

1797 vereinte Napoleon Bonaparte das Veltlin mit der Cisalpinischen Republik, das Puschlav entzog sich dieser Annexion. Die neue Grenze schnitt eine Gemeinschaft entzwei, die seit Jahrhunderten durch gemeinsame wirtschaftliche Interessen verbunden gewesen war. Die Handelsblockade schwächte die lokale Wirtschaft erheblich.

Über Jahrhunderte stark geprägt hat das Tal die konfessionelle Spaltung in einen katholischen und einen protestantischen Bevölkerungsteil. Die Predigten italienischer Glaubensflüchtlinge nach 1526 führten zur Bildung zweier reformierter Gemeinden in Brusio und Poschiavo. 1589 waren in Brusio ein Drittel und in Poschiavo ein Viertel der Bevölkerung zum neuen Glauben übergetreten. Das prekäre Gleichgewicht zwischen den beiden Konfessionen zerbrach um 1620, als im Rahmen des sogenannten „Veltliner Mordes“ auch im Puschlav die Reformierten verfolgt wurden. Eine Horde bewaffneter Männer aus dem Veltlin tötete unter Kooperation eines Teils der lokalen katholischen Führung 27 Protestanten und vertrieb viele weitere. Es folgte eine lange Eiszeit zwischen den Konfessionen. Die Talschaft blieb bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in zwei feindliche Lager gespalten.

Quellen:

Arno Lanfranchi: Puschlav. In: Historisches Lexikon der Schweiz.

Sibilla Bondolfi: Im «Nordirland der Schweiz». Auf den Spuren der protestantischen Minderheit im Puschlav. Neue Zürcher Zeitung vom 30. März 2013, S. 17.

Wir sind zu Gast im Raselli Sport Hotel in Le Prese. Das Traditionshotel wird von der Familie Raselli bereits in vierter Generation geführt und überzeugt seit Jahrzehnten mit viel Charme und herzlicher Gastfreundschaft. Gastgeber Bruno Raselli ist selbst seit vielen Jahren ein passionierter Mountainbiker und mitveranwortlich für die Entwicklung des Valposchiavo als Mountainbike-Region. Als einer der Gründer des Gastronomie-Projekts «100% Valposchiavo» legt er Wert auf erstklassige Bio-Produkte aus der Region, in deren Genuss wir während des Aufenthalts kommen werden.

Le Prese liegt wunderschön am Lago di Poschiavo im südlichsten Zipfel des Kantons Graubünden. Erreichbar ist das Puschlav per Auto oder Zug über den Berninapass. Der Bahnhof von Le Prese liegt gleich gegenüber des Hotels. Wer genügend Zeit hat, sollte sich das besondere Erlebnis einer Fahrt mit dem Bernina-Express – UNESCO Weltkulturerbe – auf keinen Fall entgehen lassen. Gratis Parkplätze hat es gleich vor dem Hotel.

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